Von Volker Krusche für das Westfalenblatt

Hüllhorst (WB). Oft braucht es nicht viel, um viel zu bewirken! Das sagen auch die Verantwortlichen des Vereins „Starke Kinder“, durch deren Engagement Hilfsprojekte in Burkina Faso unterstützt werden. Um dies verwirklichen zu können, organisieren sie Veranstaltungen, durch die das erforderlich Geld eingenommen wird. Höhepunkt der bisherigen Aktivitäten war am Dienstagabend ein Benefizspiel zwischen dem heimischen Handball-Verbandsligisten HSG Hüllhorst und dem amtierenden Europapokalsieger TBV Lemgo.

Spielverlauf und Ergebnis waren dabei für die beteiligten Mannschaften wie auch die rund 650 Zuschauer in der voll besetzten Hüllhorster Sporthalle eher nebensächlich. Alle waren vielmehr gekommen, um zu helfen. „Es war für uns eine Herzensangelegenheit, um unseren Teil für die Unterstützung der Kinder zu leisten“, umschrieb es TBV-Manager Volker Zerbe im Interview mit Christian Spönemann. „Wenn es unser äußerst eng gesteckter Terminkalender ermöglicht, dann ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, bei einer solch tollen Aktion mitzuwirken.“ Das ist beim TBV übrigens keine Selbstverständlichkeit, denn die Lipper haben eine feste Regel, nach der sie lediglich ein einziges Benefizspiel pro Saison bestreiten. „Und das war in diesem Jahr in Hüllhorst. Wir wissen, dass wir trotz der lokalen Konkurrenz auch hier sehr viele Freunde haben. Das ist ein weiterer Grund, warum wir gern nach Hüllhorst gekommen sind.“

Zwei Tage nach dem Europapokalspiel in den Niederlanden war es für Zerbes Profis eine willkommene Ablenkung vom normalen Tagesablauf (Zerbe spaßig: „Wir haben uns natürlich gewissenhaft auf dieses Spiel vorbereitet und im Vorfeld auch Videoanalyse betrieben“). Und man merkte, dass nicht nur die lokalen Helden von Hartmut Rittersberger die tolle Atmosphäre genossen, sondern auch die Weltklassespieler aus Lemgo sichtlich Spaß und Freunde an der Unterstützung der Aktion hatten. Bereitwillig schrieben sie bereits eineinhalb Stunden vor dem Anpfiff Autogramme und erfüllten auch andere Wünsche der zumeist kleinen Handball-Fans. Und in der Halbzeitpause der Partie stellte sich der Weltmeister von 2007, Carsten Lichtlein, zum Siebenmeter-Duell gegen den jungen HSG-Nachwuchs zwischen die Pfosten. Klar, dass er sich dabei auch das ein oder andere Mal überwinden ließ, was für die erfolgreichen Schützen sicherlich von lang anhaltender Erinnerung sein dürfte.

Die Partie übrigens kam durch die Umsetzung einer Idee von zwei Sponsoren des TBV Lemgo, Michael Kahl und Bernd Stracke (beide Pro Office), sowie der Geschäftsführerin der Firma Polipol aus Diepenau, Gaby Weske, die gleichzeitig im Vorstand des Vereins „Starke Kinder“ tätig ist, zustande. Bevor die Zuschauer in der Halle die Leistungen der beiden Mannschaften bewundern konnten, wurden sie in Interviews und einem Kurzfilm auf die Gründe für das ehrenamtliche Engagement eingestimmt. Bilder aus Burkina Faso zeigten die dortigen Probleme, aber auch jene Verbesserungen, die dank des Vereins „Starke Kinder“, hergestellt wurden. „Nur mit ihrer Unterstützung können wir dort für weitere Hilfe sorgen“, führte Vereinsvorsitzender Frank Weske aus. „Regelmäßig prüfen unsere Mitglieder vor Ort, dass das gespendete Geld zielgerichtet eingesetzt wird. Ich kann ihnen versichern, dass jeder Euro dort auch ankommt.“

Für den erst 14 Monate alten Victor war der 30. November 2010 ein ganz besonderes Datum. Da nämlich sorgte die Benefiz-Veranstaltung in Hüllhorst dafür, dass der an einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte leidende kleine Junge aus dem westafrikanischen Land operiert werden kann. Für die Handballer, die sich am Dienstag miteinander maßen, ein schönes Gefühl, dass es nicht um Punkte und Platzierungen, sondern um den guten Zweck – und natürlich auch ihren Spaß ging. Und Spaß hatten alle, die die 60 Minuten erlebten. Die Gastgeber versuchten mit Spielzügen zum Erfolg zu kommen. Doch die Profis durchblickten dies zumeist und fingen Ball um Ball ab. Klar, dass sie dadurch schnell und uneinholbar davonzogen. Insbesondere allein durch 14 Kontertore in Halbzeit eins, so dass es beim Seitenwechsel bereits 26:9 für den Bundesligisten hieß.

Den Hüllhorstern verdarb das allerdings nicht die Laune. Und so sorgten auch sie nach dem Wechsel mit manch schön heraus gespieltem Tor für ein echtes Schmankerl – sehr zur Freude der beide Teams anfeuernden Zuschauer. Und so waren nach dem letzten, noch einmal spektakulären Treffer von Jens Bechtloff zum 48:19-Endstand schließlich alle vier Seiten zufrieden: die Organisatoren, die Fans, die Gäste aus dem Lipperland und der heimische Handball-Verbandsligist. Für sie war es keine Lehrstunde, sondern vielmehr ein besonderes Erlebnis. „Da hat man vor dem Anwurf schon ein ziemlich flaues Gefühl im Magen und ist supernervös“, gestand Youngster Jonas Bartsch. „Aber für mich war es das aufregendste Spiel meines Lebens!“

Nach dem Schlusspfiff ging es in der dritten Halbzeit übrigens weiter – und auch dies für den guten Zweck!

Das Spielprotokoll

HSG Hüllhorst – TBV Lemgo 19:48 (9:26) HSG Hüllhorst: Brüggemann, Specht (15.-30./45.-60.); Kleffmann (2), Fischer (3/1), Bartsch, Struck (2), Becker (5), Blomenkamp, Günther (n.e.), Wessel, Klasen, Depping (1), Kreft (3), Wiechert (1), Schröder (2/1) TBV Lemgo: Lichtlein, Galia (ab 31.); Glandorf (4), Hermann (4), Strobel (2), Datukashvili (5), Ilyes, Schneider (4), Linniger (7/2), Bechtloff (5), Haenen, Smoler (13/1), Preiß (4) Schiedsrichter: Sascha Essler und Arne Wohl (TuS Lahde-Quetzen/HSG Stemmer-Friedewalde) Zuschauer: 650 (ausverkauft) Stationen: 0:1, 1:1, 2:2, 3:6, 4:11, 5:15, 6:18, 8:23,, 9:26 – 9:30, 14:34, 14:40, 17:42, 19:48

 

 

 
     

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